Ein Ort für linke Politik, Austausch, Organisierung und Kultur in Augsburg. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, diskutieren und gemeinsam etwas aufbauen können. Dass es solche Räume gibt, ist nicht selbstverständlich. Umso mehr freuen wir uns, dass unsere Idee jetzt endlich etwas Reales wird.
Langfristig werden die laufenden Kosten vor allem über monatliche Spenden getragen. Gerade in der Anfangszeit fehlt uns aber noch Geld, um den Raum wirklich sicher finanzieren zu können. Wenn ihr uns unterstützen wollt und euch genau wie wir dauerhaft das Rote Zentrum für Augsburg wünscht, freuen wir uns über jede Spende und jeden Dauerauftrag. Jeder Beitrag hilft dabei, diesen Ort möglich zu machen.
Wer waren Anna und Josef Weichenberger?
Anna Weichenberger, geboren am 30.12.1909 als Anna Feichtner, wurde am 26. Juli 1942 im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet. Ihr Mann Josef Weichenberger, geboren am 3.4.1911 in Friedberg, wurde bereits 1937 von der NS-Justiz im Zuchthaus Amberg ermordet.
Heute erinnert in Augsburg unter anderem eine Straße im Sheridan-Viertel an die beiden. Auch im Ehrenhain für die Opfer des Faschismus auf dem Westfriedhof findet sich eine Bodenplatte mit ihren Namen. Vor ihrem letzten freiwilligen Wohnort in der Mittelstraße 2 wurden außerdem 2017 zwei Stolpersteine verlegt.
Anna wuchs in einer Arbeiterfamilie auf und begann schon mit 16 Jahren als Textilarbeiterin in der Kammgarnspinnerei Augsburg zu arbeiten. 1932 heiratete sie Josef Weichenberger. Gemeinsam schlossen sie sich der „Roten Hilfe“ an – einer Organisation, die politisch Verfolgte und ihre Familien unterstützte und der KPD nahestand.
Schon mit 25 Jahren leitete Anna die Augsburger Ortsgruppe der „Roten Hilfe“, in der etwa 60 bis 80 Menschen organisiert waren, darunter viele Frauen. Gemeinsam verteilten sie antifaschistische Materialien, klebten Plakate, sammelten Spenden und unterstützten Inhaftierte und Verfolgte des NS-Regimes. Dabei wussten alle Beteiligten, welches Risiko sie eingingen.
Nachdem die Gestapo gegen die „Rote Hilfe Augsburg“ ermittelt hatte, wurde Anna verhaftet. Nach und nach traf es auch fast alle anderen Mitglieder der von Spitzeln unterwanderten Gruppe darunter Josef Weichenberger.
Im August 1936 wurde Anna gemeinsam mit weiteren Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern wegen „Beihilfe zum Hochverrat“ angeklagt. Dort sah sie ihren Mann nach langer Isolationshaft zum letzten Mal. Später schrieb sie:
„Wir nahmen Abschied voneinander. Aber niemand konnte wissen, dass es für sieben Kameraden ein Abschied für immer war …“
Josef wurde 1937 mit nur 26 Jahren im Zuchthaus Amberg ermordet. Anna wurde zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt und anschließend durch mehrere NS-Gefängnisse verschleppt. Nach insgesamt sieben Jahren Haft wurde sie 1942 im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet. Sie war 33 Jahre alt.
Anna und Josef Weichenberger stehen bis heute für mutigen antifaschistischen Widerstand und den Kampf trotz aller Wiedrigkeiten für eine Welt jenseits des Kapitalismus.
Und Lilly Prem?
Wir haben im Zuge der Raumfindung erneut über die Namensgebung diskutiert und sind dabei zu dem Schluss gekommen, dass wir das Zentrum nach intensiverer Auseinandersetzung mit der Biographie nicht weiterhin nach Lilly Prem benennen möchten. Ausschlaggebend hierfür sind insbesondere ihre spätere Abwendung von der revolutionären Bewegung sowie ihr weiterer Lebensweg in Italien.
Stattdessen möchten wir an Genoss*innen aus Augsburg erinnern, die unermüdlich und bis zuletzt standhaft an der Revolution festhielten und auf diesem Weg ihr Leben ließen.
Stay tuned!
Mehr Infos folgen die nächsten Wochen!
